reepwerk | die wiederentdeckung von seegras
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wie seegras zum seil wird

das seegras

seegras wächst in fast allen küstenregionen der welt. an der ostsee ist die art zostera marina beheimatet. durch den klimawandel erfahren insbesondere die ostseegemeinden eine zunahme des angespülten treibsels.

das reepwerk

die apparatur reepwerk ist teil unseres projekts an der burg giebichenstein – kunsthochschule halle. sie lädt ein, das sonst als müll missachtete naturmaterial seegras zu erfahren und selbst zu einem seil zu verarbeiten.

seegras an der küste

der strand

die im sommer am strand anfallenden mengen an seegras stören den tourismus. die urlauber wünschen sich einen weißen strand und fühlen sich vom geruch des treibsels gestört. die strandsäuberungen kommt den gemeinden teuer zu stehen. jährlich werden rund 27.000t an der mecklenburgischen küste angespült.

der ort

als standort des reepwerks haben wir das seeheilbad boltenhagen in der region nordwestmecklenburg gewählt. es ist das drittälteste seebad in deutschland und zählt jährlich mehr als 1,5mio übernachtungen. neben der steilküste und der seebrücke lockt ein 5km langer strand.

reepwerk in der öffentlichkeit

der prozess

am anfang des projekts stand eine zweimonatige recherchephase, auf der sich das konzept des reepwerks später aufbauen konnte. in dieser zeit haben wir zunächst einmal das material an sich genauer unter die lupe genommen.

fasziniert vom material begannen wir den designprozess mit experimenten – so entstanden verschiedenen papiere und faserplatten. von maritimen motiven inspiriert, beschlossen wir die seegrasfasern zu einem seil zu verarbeiten. es entstanden erste modelle für eine bank aus seegrasseil, mit denen wir die wirkung eines seil als matrix testeten.

die dem seegras ganz ähnlichen holzfasern werden seit generationen zum spinnen von holzwolleseilen verwendet. so besuchten wir frau rödiger, eine der wenigen handwerkerinnen in deutschland, die holzwolle zu einem festen seil verarbeiten können. sie hat für uns das seegras in die hand genommen und ein 22m langes seil daraus gedreht.

das starke seegrasseil von frau rödiger wollen wir in einer sitzgelegenheit verarbeiten, die ein exemplarisches anwendungsbeispiel für diese seile darstellen soll. unser wunsch ist es aber das material erfahrbar und somit schätzbar zu machen. so entstand die idee und planung des reepwerks, damit jeder selbst zum reeper (seilmacher) werden kann.

die apparatur planten wir mit einem modell in orignalgröße um die dimensionen und formwirkung einschätzen zu können. im nächsten schritt organisierten wir sponsoren und traten in kontakt mit der kurverwaltung des ostseebads boltenhagen, dem ersten ort in dem das reepwerk seinen einsatz finden soll.

eelchair_workshop_I

als anwendungsbeispiel für das seegrasseil haben wir eine sitzgelegeheit gestaltet und gebaut. das seil wurde hierfür um eine edelstahlkonstruktion gewickelt und zu einer sitzfläche aufgespannt. die konstruktion besteht aus zwei rahmen, die untereinander mit vier querstreben verschraubt sind.

eelchair

die länge des sitzes wird von den querstreben bestimmt und hängt von der, durch das reepwerk produzierten tagesmenge des seils ab. das reep-ergebnis ist somit von tag zu tag unterschiedlich, da es von der täglich angespülten seegrasmenge abhängt. eine aufreihung, der im laufe der zeit entstandenen sitze, stellt die seegrasressourcen des ortes da.

reepwerk_jahresausstellung_01

in 3 modulen kann der gesamte prozess vom waschen bis zum seildrehen nachvollzogen werden. je ein modul entspricht einer box und einem arbeitsgang. die holzbox, die alles beinhaltet, was für das »reepen« benötigt wird, sind so gebaut, dass alle 3 module in einem vw bus verstaut werden und von ostseebad zu ostseebad transportiert werden können.

reepwerk_jahresausstellung.png

unsere apparatur reepwerk war nun zum ersten mal auf der jahresausstellung der kunsthochschule burg giebichenstein in halle an der saale zu sehen. in den letzten wochen haben wir den plan der apparatur noch stark zu gunsten unseres konzeptes verändert. das »reepwerk« besteht bis jetzt als modell für das konzept, das wir zur wiederentdeckung und aufwertung von seegras an der ostsee, erarbeitet haben. wir freuten uns über das große interesse und die neugier aller besucher.

über uns

wir sind rike und marc, studenten des studiengangs industriedesign an der kunsthochschule burg giebichenstein in halle an der saale. das reepwerk ist unser aktuelles semesterprojekt, das unter dem thema microbes II – a day made of algae bei professorin mareike gast entsteht.

sponsoren